Im Sommer steigt man einmal aus, öffnet das Tor, fährt durch, steigt wieder aus und schließt. Im November macht man dasselbe im Regen, mit Einkäufen auf dem Beifahrersitz und dem Motor im Leerlauf. Irgendwann stellt sich jeder die Frage, ob das Tor nicht einfach elektrisch aufgehen könnte. In den meisten Fällen kann es das, ohne dass ein neues Tor fällig wird. Ob ein Nachrüsten sinnvoll ist, entscheidet sich allerdings am Tor selbst und nicht im Katalog der Antriebshersteller.

Eignet sich mein Tor für einen Antrieb?

Ein Motor bewegt das Tor genau so, wie es sich von Hand bewegen lässt. Er gleicht keine Mängel aus, er verstärkt sie. Bevor ein Antrieb bestellt wird, lohnt deshalb ein ehrlicher Blick auf vier Punkte.

Leichtgängigkeit: Der Flügel muss sich mit einer Hand gleichmäßig öffnen lassen, ohne zu schleifen oder an einer Stelle zu haken. Schleift das Tor am Boden, arbeitet der Motor gegen die Reibung und schaltet über kurz oder lang wegen Überlast ab.

Pfosten: Ein Drehtorantrieb stützt sich am Pfosten ab und drückt bei jeder Bewegung mit einer Kraft von mehreren hundert Newton dagegen. Ein Pfosten, der schon heute wackelt oder in einem zu flachen Fundament steht, gibt nach. Wie tief ein tragfähiges Fundament sein muss, steht im Beitrag über das Einbetonieren von Zaunpfosten.

Scharniere und Rahmen: Ausgeschlagene Bänder oder ein Flügel, der sich verzogen hat, führen dazu, dass das Tor nicht mehr sauber in den Anschlag läuft. Beim Nachrüsten werden alte Bänder oft gleich gegen einstellbare getauscht.

Gewicht und Breite: Jeder Antrieb ist für eine bestimmte Flügelbreite und ein Höchstgewicht ausgelegt. Ein massives Schmiedeeisentor mit vier Metern Breite braucht eine andere Leistungsklasse als ein leichtes Stabtor.

Hängt ein Tor bereits deutlich durch oder ist an den Schweißnähten angerostet, ist ein neues Tor mit vorbereiteten Aufnahmen für den Antrieb meist die wirtschaftlichere Lösung. Der Motor kostet dann nicht mehr, hält aber deutlich länger.

Drehtor: welche Antriebsart passt?

Für Flügeltore gibt es drei Bauarten. Welche passt, hängt vor allem von der Pfostenbreite, der Öffnungsrichtung und dem Platz neben dem Tor ab.

Linearantrieb mit Spindel

Die häufigste Lösung für Hoftore. Ein Motor mit Spindel sitzt mit einem Ende am Pfosten, mit dem anderen am Flügel, und schiebt den Flügel auf und zu. Linearantriebe sind robust, gut einzustellen und für Flügel bis etwa drei Meter Breite ausgelegt. Sie brauchen neben dem Pfosten etwas Platz und funktionieren am besten bei schlanken Pfosten, an denen sich der Befestigungspunkt passend setzen lässt.

Gelenkarmantrieb

Ein Motorkasten am Pfosten bewegt den Flügel über einen Knickarm. Diese Bauart eignet sich für breite Mauerpfeiler, bei denen ein Linearantrieb nicht den richtigen Winkel findet, und für Tore, die nach außen öffnen. Der Arm ist sichtbar, trägt aber nicht auf.

Unterflurantrieb

Der Motor sitzt in einem Kasten im Boden unter dem Drehpunkt des Flügels, von oben ist praktisch nichts zu sehen. Optisch die sauberste Lösung, gerade bei klassischen Schmiedeeisentoren. Der Einbau ist allerdings aufwendiger, weil das Pflaster geöffnet und der Kasten entwässert werden muss. Nachträglich lohnt sich das vor allem dann, wenn die Einfahrt ohnehin neu gepflastert wird.

Bei einem zweiflügeligen Tor bekommt jeder Flügel einen eigenen Motor, beide werden von einer gemeinsamen Steuerung geführt. Die Steuerung sorgt auch dafür, dass die Flügel versetzt öffnen und schließen, damit sie sich in der Mitte nicht verhaken. Mehr zu Maßen und Aufschlagrichtung steht im Ratgeber zum Doppelflügeltor.

Schiebetor nachrüsten

Beim Schiebetor ist das Nachrüsten meist einfacher. Der Motor steht neben der Durchfahrt auf einem kleinen Fundament, am Tor wird eine Zahnstange angeschraubt, in die das Antriebsritzel greift. Voraussetzung ist ein Tor, das auf seinen Laufrollen leicht und gerade läuft, und genug Platz für den Motorkasten am Ende der Laufbahn. Freitragende Schiebetore ohne Bodenschiene lassen sich ebenso ausrüsten wie Tore auf Schiene. Wie ein elektrisches Schiebetor von Anfang an geplant wird, beschreibt der Beitrag zum elektrischen Schiebetor.

Strom zum Tor: Kabel oder Solar?

Die meisten Antriebe laufen mit 24 Volt, die Steuerung selbst braucht aber einen 230-Volt-Anschluss. In der Praxis heißt das: Vom Haus oder der Garage zum Torpfosten wird ein Erdkabel verlegt, frostfrei in etwa 60 bis 80 Zentimetern Tiefe und im Schutzrohr. Den Anschluss an das Hausnetz übernimmt ein Elektriker. Wer ohnehin Zaun oder Einfahrt erneuert, legt das Leerrohr gleich mit, das spart später das Aufgraben. Der Herbst ist dafür eine gute Zeit, wie im Beitrag zum Zaunbau im Herbst beschrieben.

Solarsets mit Akku kommen ohne Kabel aus. Sie reichen für leichte Tore und wenige Öffnungen am Tag. Bei einem schweren Flügeltor, das zehn Mal am Tag bewegt wird, und in den kurzen Wintertagen in Brandenburg ist der Akku jedoch schnell leer.

Sicherheit: was ein Motor am Tor verlangt

Ein Tor mit Antrieb gilt rechtlich als Maschine. Die europäische Norm EN 12453 legt fest, wie ein kraftbetätigtes Tor abgesichert sein muss, damit es niemanden einklemmt oder anfährt. Das betrifft vor allem die Schließkanten, also die Stellen, an denen sich der Flügel dem Pfosten oder dem zweiten Flügel nähert.

In der Praxis gehören zu einer sicheren Anlage:

  • Kraftbegrenzung: Trifft der Flügel auf einen Widerstand, stoppt der Antrieb und fährt ein Stück zurück. Die zulässigen Kräfte werden bei der Inbetriebnahme gemessen und eingestellt.
  • Lichtschranken: Ein Paar Fotozellen in der Durchfahrt verhindert, dass das Tor schließt, solange ein Auto, ein Fahrrad oder ein Kind im Weg ist.
  • Warnleuchte: Sie blinkt, solange sich das Tor bewegt, und ist für Fußgänger auf dem Gehweg das wichtigste Signal.
  • Notentriegelung: Bei Stromausfall lässt sich der Antrieb mit einem Schlüssel entkoppeln und das Tor von Hand öffnen.

Wer Tor und Antrieb zusammenbringt, übernimmt die Verantwortung dafür, dass die Anlage diese Anforderungen erfüllt. Bei einem Bausatz aus dem Internet ist das der Käufer selbst. Deshalb gehört zu einer fachgerechten Nachrüstung auch die Einweisung und eine Betriebsanleitung für die fertige Anlage. Eine jährliche Sichtprüfung von Befestigung, Lichtschranken und Notentriegelung hält das Tor über Jahre zuverlässig.

Bedienung: Handsender, Codetaster, Smartphone

Standard ist der Handsender im Auto, meist mit zwei oder vier Tasten, sodass sich auch Garagentor oder Außenbeleuchtung mitschalten lassen. Dazu kommen je nach Bedarf ein Codetaster am Pfosten für Familienmitglieder ohne Handsender, ein Schlüsseltaster oder ein Empfänger, der das Tor per App oder über das Smart-Home-System steuert. Praktisch ist eine Teilöffnung: Ein Flügel öffnet nur so weit, dass Fußgänger oder Fahrräder durchkommen, das große Tor bleibt zu.

Was kostet das Nachrüsten eines Torantriebs?

Die Kosten setzen sich aus Antrieb, Zubehör und Einbau zusammen. Richtwerte für Markenantriebe:

  • Drehtorantrieb für zwei Flügel mit Steuerung und zwei Handsendern: etwa 800 bis 1.500 Euro
  • Drehtorantrieb für einen Flügel: etwa 500 bis 900 Euro
  • Schiebetorantrieb mit Zahnstange: etwa 500 bis 1.000 Euro
  • Unterflurantrieb für zwei Flügel: ab etwa 2.000 Euro, dazu die Pflasterarbeiten
  • Sicherheitszubehör wie Lichtschranken und Warnleuchte: etwa 100 bis 300 Euro
  • Montage, Kabelverlegung und Elektroanschluss: je nach Kabelweg etwa 500 bis 1.000 Euro

Ein zweiflügeliges Hoftor elektrisch nachzurüsten kostet damit in der Regel zwischen 1.500 und 2.800 Euro. Müssen Pfosten verstärkt oder Bänder getauscht werden, kommt dieser Aufwand hinzu.

Neues Tor oder Nachrüsten?

Steht das Tor gerade, läuft leicht und ist gut beschichtet, ist das Nachrüsten fast immer die günstigere Lösung. Anders sieht es aus, wenn ohnehin Reparaturen anstehen: Pfosten neu setzen, Bänder tauschen, Flügel richten, Roststellen ausbessern. Dann liegt man schnell in der Nähe eines neuen Tores, das von Anfang an mit verstärkten Pfosten und Aufnahmen für den Antrieb gefertigt wird.

Smith Kunstschmiede fertigt Einfahrtstore nach Maß und liefert sie auf Wunsch mit Antrieb, Lichtschranken und Handsendern, montiert und eingestellt. Wer heute noch kein elektrisches Tor möchte, bekommt ein Tor, das für den späteren Antrieb vorbereitet ist. Beispiele ausgeführter Anlagen zeigt die Galerie Antrieb, einen Überblick über Torformen und Materialien gibt der Beitrag Einfahrtstor aus Metall. Wie Aufmaß und Montage ablaufen, steht auf der Montageseite. Ob sich Ihr vorhandenes Tor für einen Antrieb eignet, lässt sich oft schon anhand einiger Fotos einschätzen, die Sie uns über die Kontaktseite schicken können.

Häufige Fragen zum Nachrüsten eines Torantriebs

Kann man jedes Tor mit einem Antrieb nachrüsten?

Nicht jedes. Das Tor muss sich von Hand leicht und ohne Schleifen bewegen lassen, die Pfosten müssen fest stehen und die Scharniere dürfen kein Spiel haben. Ein Tor, das schon heute hängt oder klemmt, verschleißt einen Antrieb in kurzer Zeit.

Was kostet es, einen Torantrieb nachzurüsten?

Ein zweiflügeliger Drehtorantrieb in Markenqualität kostet als Set etwa 800 bis 1.500 Euro, ein Schiebetorantrieb 500 bis 1.000 Euro. Montage, Kabelverlegung und Anschluss durch den Elektriker kommen mit rund 500 bis 1.000 Euro dazu. Unterflurantriebe liegen deutlich darüber.

Welcher Antrieb eignet sich für ein zweiflügeliges Tor?

Für die meisten Hoftore reichen Linearantriebe mit Spindel, die seitlich am Pfosten und am Flügel sitzen. Bei breiten Pfosten oder Toren, die nach außen öffnen, sind Gelenkarmantriebe die bessere Wahl. Unterflurantriebe verschwinden ganz im Boden, sind aber teurer und aufwendiger im Einbau.

Brauche ich einen Stromanschluss am Tor?

Ja, in der Regel ein 230-Volt-Erdkabel vom Haus zum Torpfosten, das ein Elektriker anschließt. Solarsets gibt es für leichte Tore mit wenigen Öffnungen am Tag, bei regelmäßiger Nutzung und im Winter stoßen sie aber schnell an ihre Grenzen.

Welche Sicherheitseinrichtungen sind vorgeschrieben?

Ein kraftbetätigtes Tor muss nach EN 12453 so abgesichert sein, dass es niemanden einklemmt. Üblich sind eine Kraftbegrenzung mit automatischem Zurückfahren bei Widerstand, Lichtschranken in der Durchfahrt und eine Warnleuchte. Eine Notentriegelung erlaubt das Öffnen von Hand bei Stromausfall.

Kann ich einen Torantrieb selbst einbauen?

Mechanisch ist das mit handwerklichem Geschick möglich, den 230-Volt-Anschluss muss aber ein Elektriker übernehmen. Dazu kommt die Verantwortung für die Sicherheit: Wer Tor und Antrieb zusammenbringt, muss dafür sorgen, dass Schließkräfte und Schutzeinrichtungen stimmen. Deshalb lassen die meisten Hausbesitzer den Einbau vom Fachbetrieb erledigen.